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Kompendium der Erkenntnis

Seit einiger Zeit nehme ich mir selbige, um doch mal wieder ein Buch zu lesen. Auf Empfehlung oder auch aus dem Fundus. Nun ein schon in die Jahre gekommenes Buch. Ich wundere mich, dass es mir damals nicht in die Hände gekommen ist. Dennoch hat es nichts an Aktualität eingebüßt.

Der Baum der Erkenntnis

Der Titel kommt schon etwas aufdringlich daher. Grundlegendes soll also erschlossen werden. In für die damalige Zeit modernem Satz und Erscheinungstil der Buchdruckerkunst wird nach eigener Darstellung der Versuch unternommen die neurobiologischen Hintergründe unseres Fähigkeiten zum "Erkenntnisprozess" bis hin zum Erkennen des Erkennens wissenschaftlich zu beleuchten.

Wieder beginnend in der  Ursuppe der irdischen Entstehungsgeschichte landen wir über verschiedene Stufen der biologischen Entwicklung und darin erfolgender vielfältiger  Populationsstadien und -prozesse der Menschheitsgeschichte beim sich erkennenden Menschen. Was ihn als Art unter den Tieren besonders hervorhebt. Es liest sich in Teilen spannend, in anderen langatmig. Auch herausfordernd, denn manchmal kommen Sätze vor, welche der Übersetzer nicht so ins Deutsche gebracht hat, dass man sie auf Anhieb versteht. Spannend langatmig.

Das Buch erklärt auch, in wie weit eine genetische Fixierung von Verhaltensweisen eher unwahrscheinlich ist, dass der Verhaltensspielraum von Individuen eher von den kulturellen, sozialen aber auch emotionalen Hintergründen innerhalb von Beziehungsgeflechten von Lebewesen eröffnet wird. Die Interaktion, das Handeln und die Konversation der Individuen untereinander ist prägender für die Verhaltensweisen als die genetische Ausstattung, da innerhalb einer Art - wie zwischen zwei Menschen - diese fast zu 100% deckungsgleich ist. Mein Beispiel wäre hier: Wir müssten zusammen mit unserem Primatenpartner dem Schimpansen auf den Bäumen sitzen, da wir zu 98,7% gemeinsames Genmaterial aufweisen, da dies ja auch schon sehr nahe beieinander liegt.

Wohl hat dies mehr mit mir zu tun. Wenn ich nun so schwülstig von Kompendium schreibe, dann ist dies im Kontext mit den anderen vorher von mir beschriebenen Büchern "Der Baum" und dem Hüther'schen Buch zu sehen, die in sich gemeinsam gelesen werden können, als "Begriffslehre". Na endlich, er begreift mal wieder was. Das hat es mir so wertvoll gemacht, dass ich dann doch daran geblieben bin, auch über Stolperschwellen hinweg.

Für mich war insbesondere interessant ein Werk aus den Achtzigern zu lesen, das sich in verschiedener Hinsicht in vielen selbst gemachten Erfahrungen meines Lebens in der Zeit nach seinem Erscheinen nachspürbar ist. Als wäre der Kontext dieses Buches allgemein vorhanden gewesen. "Alles entsteht in Sprache" ist dabei der wesentliche Satz.

Mit all seinen Schwierigkeiten im eigenen Schweigen, Formulieren, Hören und Überhören. Erkennen des Erkennens!



 

 

 

Der Baum der Erkenntnis

- Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens

Humberto Maturana/Francisco Varela

3. Auflage 1987; Scherz Verlag, Bern, München, Wien

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